Designer

Holz mit Sexappeal.
Designer Franz-Josef Schulte über Maly, Mailand und Müslis.

Mit den Feuertischen hat er bewiesen, dass er zündende Ideen wortwörtlich nimmt. Und mit dem Kochcenter Grace verpasste der Designer Franz-Josef Schulte seiner Marke Lifestyle-Drive. Seine Bank „Gerrit“ interpretiert Holz auf eine ganz neue Art. Hier spricht er über den Imagewandel bei Massivholz-Möbeln und erklärt, wie wichtig sie für moderne Architektur sind.

Frage: Herr Schulte, es gibt nur eine Hand voll Designer, die wie Sie Entwurf, Produktion und Vertrieb in Eigenregie übernehmen. Wie kam es zu dem Schritt?

Franz-Josef Schulte: Ich stamme aus einer alten Möblerfamilie. Beide Großväter waren Schreiner und produzierten Möbel. Mein Blut ist quasi aus Holz. Und dank meines Studiums konnte ich meine Leidenschaft fürs Design mit der kaufmännischen Tradition meiner Familie verbinden. So habe ich gerne Ja gesagt, als eine Nachfolgeregelung für den elterlichen Betrieb in Krefeld gefunden werden musste.

Frage: Sie haben nach dem Studium in Peter Malys Büro gearbeitet. Was hat Sie am Stardesigner am meisten beeindruckt?

Franz-Josef Schulte: Peter Maly ist es immer brillant gelungen, Design und Innenarchitektur in eine Beziehung zu bringen. Er hat das Produkt stets im Kontext gesehen. Damit war er damals – und sicher ist er es heute noch – vielen Kollegen weit voraus.

Frage: Schulte Design steht im Handel für Massivholz-Möbel mit dem besonderen Etwas. Was unterscheidet Ihre Kollektion von anderen Anbietern?

Franz-Josef Schulte:

Ich forciere den natürlichen Charme der Hölzer, indem ich mit spannenden Details Kontraste schaffe.  Die Bank Gerrit habe ich mit einem skulpturalen Charakter versehen und gleichzeitig mit Technik verbunden. Sie schwingt, etwa so, wie ein Freischwinger Stuhl. Historische Oberflächenbearbeitung - geschruppt- erhöht dann nochmals die Neugier solch ein Möbel auch anzufassen. Meine Passion zu ungewöhnlichen Hölzern, wie z.B. bei der Tutti-Frutti-Kollektion 2008 oder jetzt die Aufnahme von europäischen Hölzern wie da sind Birnbaum, Ulme und Wildkirsche werden dankbar aufgenommen. Das Lieblingsholz der Deutschen-Eiche-werde ich in Zukunft in ganz neue Zusammenhänge bringen. Der Spießerlook, Beizton P43, ist ja schon lange vorbei.

Frage: Bei Massivholz-Möbeln hat sich ein totaler Imagewandel vollzogen. Nach der Müsli-Fraktion stehen jetzt auch Designliebhaber auf das Naturmaterial. Wie erklären Sie sich diesen Umschwung? 

Franz-Josef Schulte: Die ‘Müslis’ griffen gerne nach Weichhölzern, die nicht gerade vor Charme sprühen. Die neuen Massivholzmöbel sind aus feinsten Edelhölzern, die haben richtig Sexappeal. Daraus lassen sich elegante Formen verwirklichen, weil dieses Material ganz anders bearbeitet werden kann. Außerdem verlangt die aktuelle Architektur mit den eher nüchternen Baustoffen Glas, Beton und Stahl nach einem Gegenpol. Und der beste Kalt-Warm-Kontrast wird durch Massivholzmöbel mit ihrem natürlichen Charme und ihrer exklusiven Wohnlichkeit erreicht.

Frage: Auf der Mailänder Möbelmesse hat sich der Werkstoff Holz von einer rustikalen Seite gezeigt. Ursprünglichkeit war Thema bei den großen Designschmieden. Welche Form wird Schulte Design diesem Trend geben?

Franz-Josef Schulte: Auch meine Kollektion wird mit ursprünglichen Materialien arbeiten. Geölter Rohstahl oder Edelstahl in Kombination mit Holz. Holz aber modern rustikal interpretiert. Geölte und geschruppte Oberflächen, Eiche mit Ästen durchsetzt und Nussbaum mit Splint verleimt. Durch die Trennung von Tischplatte und Basis kann jetzt der Kunde für seine Räumlichkeit noch einfacher den richtigen Esstisch finden. 

Frage:  In Krefeld haben Sie in einer alten Seidenfabrik Ihren Showroom und Ihr Handelshaus untergebracht. Wie wichtig ist für Sie der Kontakt mit dem Endverbraucher?

Franz-Josef Schulte: Dieser Dialog hat einen enorm hohen Stellenwert für mich. Hier schicke ich alle Prototypen sozusagen auf die Teststrecke.  Im Gespräch mit den Kunden zeigt sich schnell, welche Stärken und Schwächen ein Modell hat. Und ich erfahre so, welche Trends bei meiner Zielgruppe am besten ankommen.

Frage: Sie liefern ihre Produkte auch nach Asien. Eigentlich geht das doch anders herum. Wie kommen ihre Möbel denn dort an?

Franz-Josef Schulte: Bei den asiatischen Kunden schlägt uns eine Welle des Vertrauens entgegen. „Made in Germany“ ist ein Prädikat mit exzellentem Image, das uns schon viele Türen geöffnet hat.